Startseite
Meine Wetterstation
Taxigeflüster
und dann war da noch ...
Mit dem Taxi nach Amsterdam
meine längste Dienstreise
Stress hausgemacht
Meine Weihnachtsgeschichte
Hindukusch und Cumolus
von der Minderheit zur Mehrheit
Urlaub Kalterherberg
Aquarium zu verkaufen
Meine Fotogalerie
Gästebuch
Impressum


Seit mehr als sechsundzwanzig Jahren bin ich in Solingen als Taxifahrer unterwegs und das mit immer noch steigender Begeisterung. Waren die ersten zwölf Jahre durch Hunger nach Aufträgen bestimmt, folgten durch den Wechsel zu einem erfolgreichen Privat-Unternehmen vierzehn Jahre, in denen Langeweile kein Problem mehr war. Bei einem guten Arbeitsklima und (vorwiegend) angenehmen Fahrgästen macht das Fahren viel Freude. Eine gute Einstellung zu diesem Dienstleistungsberuf und die Erfahrung sind da auch sehr hilfreich.

Das Auto ist für mich nur ein Werkzeug,
die Herausforderung ist der Mensch !

Angefangen habe ich im Juli 1985 Taxi zu fahren. Vorwiegend bin ich damals nachts gefahren. Oft hörte ich, wenn ich von dieser Arbeit erzählte, den Einwand: "Aber das ist doch bestimmt schwierig mit den Besoffenen!" Darauf habe ich dann meist geantwortet:  
"Es gibt angenehme Besoffene
 und unangenehme Nüchterne"

Frühes Vorbild

Im Jahr 1958 verbrachten wir unsere Sommerferien in Pfronten im m Allgäu. Unser Vater hatte damals noch keinen Führerschein. Und damals galt, wenn der Vater schon keinen Führerschein besitzt, dann hat die Mutter erst recht keinen Führerschein. Folglich war unser Beförderungsmittel der öffentliche Personen-Nahverkehr, bei dem unser Vater als Bus-Schaffner alleine den kargen Lebensunterhalt für die fünfköpfige Familie mit drei Kindern, fünf, elf und dreizehn Jahre alt,verdiente. Aber das bedeutete nicht, dass wir die Sommerferien im Schrebergarten hätten verleben müssen. Als Mitarbeiter der Solinger Verkehrsbetriebe entdeckte unser Vater die Möglichkeit, mit dem Sozialwerk der Stadtwerke Solingen bis in die Nähe von Nesselwang im Allgäu mitfahren zu können. Das Sozialwerk der Stadt Solingen hatte dort einen Vertrag mit einer großen Pension, wo die Mitarbeiter mit ihren Familien gemeinsam untergebracht waren. Wir aber fuhren weiter mit einem Taxi zum etwa zehn Kilometer entfernten Pfronten. Erst im Dunkeln kamen wir dort am Campingplatz an. Das ganze umfangreiche Reisegepäck inklusive der schweren Campingausrüstung hatte unser Vater mit einer Spedition zum Campingplatz transportieren lassen. UnserTaxifahrer zeigte sich damals ausgesprochen hilfsbereit. Das Scheinwerferlicht seines Fahrzeugs spendeten uns das Licht, damit wir in der Dunkelheit unser Zelt aufbauen konnten und damit ein Dach über dem Kopf hatten. Diese Hilfe war damals reine Mitmenschlichkeit und keine Geschäftstüchtigkeit, denn diese Zeit zu bezahlen, wäre für unsere Eltern auch viel zu teuer gewesen. Diese Hilfsbereitschaft hatte mich damals als Elfjährigen schon sehr beeindruckt.Vielleicht hat sie mit dazu beigetragen, mich für diesen Beruf zu begeistern.

Vorne oder Hinten ?

Interessant ist es, das Einsteigeverhalten zu beobachten.Wenn ich zum Beispiel an einem Hotel einen einzelnen Fahrgast aufnehme, dann bevorzugen diese Fahrgäste häufig den Platz hinten rechts. Bei diesen Fahrgästen handelt es sich meistens um jüngere Menschen, die im Business-Look unterwegs sind. Wenn der Fahrgast hinten sitzen möchte, dann schiebe ich von der Beifahrertüre aus den Sitz weit nach vorne, damit er (oder sie) ausreichend Platz hat, denn ich meine, auch in einer Mercedes-Limousine ist hinten viel zuwenig Platz. Ich gehe davon aus, dass Fahrgäste, die sich für die hinteren Plätze entscheiden, ihre Ruhe haben möchten und an einem Gespräch nicht interessiert sind, denn wenn ich mit einem Menschen reden möchte, dann will ich auch sein Gesicht sehen. Ausnahmen kenne ich nur am Telefon oder im Beichtstuhl. Wenn die Fahrgästen doch von hinten ein Gespräch anfangen, wird die Kommunikation etwas schwierig – besonders dann, wenn der Fahrgast oder die„Fahrgästin“ nicht sehr laut und deutlich spricht.
Ein anderer Personenkreis aus der Gruppe der Geschäftsreisenden sind die, die meistens schon etwas älter sind, bei denen auch kein Zweifel an deren Selbstsicherheit aufkommt. Mit denen gibt auch oft gute Gespräche. Diese Leute müssen auch nicht die Fahrzeit mit vielen belanglosen Handygesprächen überbrücken.
Als die Grenzen aus der DDR sich öffneten, konnte ich sehr schnell erkennen, ob die Reisenden von dort kamen. Sie waren nicht so gestylt wie viele im Westen und bescheiden im Auftreten. Da ich an einem Gespräch mit ihnen interessiert war, animierte ich sie, sich nach vorne zu setzten. Als ob ich sie beschenkte, fragten sie erstaunt: „Ja, darf ich mich nach vorne setzen?!“

Die Regisseure der meisten Spielfilme platzieren ihren Fahrgast-Darsteller auf den Rücksitz. Meine Interpretation ist, dass Fahrgäste, die sich gerne beruflich erfolgreich darstellen (ob sie es auch sind, bleibt dahingestellt),vorzugsweise hinten sitzen. Ich vergleiche das mit dem Anziehen einer guten Garderobe – (Kleider machen Leute). Sehr junge Leute, die sich noch in den Umgangsformen üben, (doch, das gibt es!) setzen sich auch häufig nach hinten, denn das sehen sie doch immer im Fernsehen.
Erstaunt war ich auch, bei einem Beitrag des ZDF-Morgenmagazins aus Berlin zu erfahren, dass der Fahrgast hinten Platz nehmen soll, so der interviewte Berliner Taxifahrer. Da frage ich mich, sind das Relikte aus der DDR?
Natürlich spreche ich hier nicht von den Fahrgästen, die Platz für ihre Arbeitsunterlagen benötigen oder aus körperlichen Gründen nicht vorne sitzen können.

"Zehnjährige belastet Schulbusfahrer schwer"
So stand es am 20. Oktober 2011 in der Solinger Morgenpost


so berichtete st-online am 20. Oktober 2011
"Schulbus-Fahrer streitet sexuelle Berührungen ab"

st-online berichtete am 3. November über den
Prozess: Schulbusfahrer freigesprochen



bis zum 9. November hat rp-online noch nicht über den zweiten Verhandlungstermin und den Freispruch berichtet!

wenn rp-online schon über den ersten Prozesstermin berichtete, so wäre es nur konsequent, wenn rp-online dann auch zeitnah über den zweiten Termin und den Freispruch berichten würde! Es ist schon schlimm genug, daß der Beschuldigte fast ein Jahr auf seinen Freispruch warten musste.




Freche und unverschämte Fahrgäste

Oft wird von frechem oder unverschämtem Verhalten von Taxifahrern berichtet. Sowohl im Taxi wie auch in den Medien wird sich gerne darüber beklagt. Viele Klagen sind sicher auch berechtigt. Meistens sind diese Berichte aber auch nicht objektiv, weil häufig keine Zeugen zur Verfügug stehen. Aber wann hört man in der Öffentlichkeit Berichte über freches und unverschämtes Verhalten von Fahrgästen? In der Vergangenenheit hatte der Taxifahrer nicht den Einfluß auf die Medien, um seine Meinung zu verbreiten. Das Internet bietet heute die Möglichkeit, soche Berichte zu veröffentlichen.

Ich möchte hier einmal von frechem und unverschämtem Verhalten von Fahrgästen berichten. Als Frechheit empfinde ich, wenn Fahrgäste, ohne vom Taxifahrer dazu ermuntert worden zu sein, ihre Ansichten zur Politik äußern. Sie erwarten scheinbar, daß der Fahrer selbstverständlich auch ihrer Ansicht ist. Die meisten Äußerungen der Fahrgäste kommen über das Niveau der "Blöd-Zeitung" nicht hinaus. Diese Fahrgäste bringen den Fahrer dann oft in einen Konflikt. Wenn der Fahrer nicht der gleichen Meinung ist, hilft er sich oft durch wortkarge Äußerungen, mit denen er dem Fahrgast zeigen möchte, daß er sich dazu nicht weiter äußern möchte. Oft registrieren die Fahrgäste das garnicht, denn vorrangig wollen sie ihren Frust loswerden. Gelegentlich habe ich solchen Fahrgästen einmal erklärt, was sie da gerade machen. Ich habe sie gefragt, ob sie auch in einem guten Speiserestaurant dem Kellner ihre poitischen Ansichten auf die Nase binden würden. Ebenso wie sie vom Kellner respektvoll behandelt werden wollen - und sollen - , sollten die Fahrgäste solche Verbrüderung vermeiden. Ich versicherte dann diesen Fahrgästen, daß ich außerhalb dieses Autos wohl in der Lage wäre, ihnen meine fundierte Meinung zu erläutern.

Eine weitere Unverschämtheit ist es, wenn Fahrgäste auf unterschiedliche Weise den Fahrer ausfragen, ob man denn von dem Einkommen des Taxifahrers auch leben kann. Nach meiner Erfahrung werden solch unverschämte Fragen vornehmlich von Männern an den Fahrer gestellt. Bei Gelegenheit werde ich den Spieß einmal herumdrehen und mich besorgt nach deren Einkommen erkundigen.

Auch frage ich mich, woher manche (vorwiegend männliche) Fahrgäste sich die Freiheit nehmen, den Taxifahrer, den sie nicht kennen, zu duzen. Ich habe mir abgewöhnt, bei diesen schlichten Gemütern noch Erziehungsarbeit zu leisten. Oberste Priorität ist, die Fahrt möglichst konfliktarm zu Ende zu bringen. Niemand kann mich jedoch hindern, mir eine Meinung über diese Kunden zu bilden

Eine stark verbreitete Unsitte bei Fahrgästen ist es auch, ohne durch den Fahrer dazu veranlasst worden zu sein, dem Fahrer ihre Ansicht zu Ausländern mitzuteilen. Sie unterstellen offenbar zu diesem heiklen Thema eine allgemeine gesellschaftliche Übereinstimmung.

Reden ist Silber - Schweigen ist Gold

Wie oft habe ich schon zu den Fahrgästen gesagt: "Wenn ich ein Buch schreiben würde, dann würde das Buch über die Nachtschicht ein dicker Wälzer, wogegen das Buch über die Tagschicht lediglich Taschenbuchformat haben wird." Allerdings haben sich in den zweiundzwanzig Jahren Tagschicht so viele Geschichten angesammelt, dass auch hier ein dickes Buch entstehen könnte. Viele Geschichten haben sich angesammelt, allerdings eignen sich viele Erlebnisse nicht, im Internet veröffentlicht zu werden. Sorgfältig muss überlegt und bedacht werden, welche Interessen bei der Veröffentlichung berührt oder gar verletzt werden könnten. Das Gespräch im Taxi zwischen dem Fahrgast und dem Fahrer oder auch ausschließlich zwischen den Fahrgästen muss selbstverständlich geschützt bleiben. Es ist erstaunlich, zu welcher Vertraulichkeit es zwischen Fahrgast und Taxifahrer in kurzer Zeit kommen k a n n !
Ich kann nicht beurteilen, ob ich mehr Vertrauen aufbauen kann als andere Kollegen. Sicher wird es Unterschiede geben. 

An dieser Stelle fällt mir eine Geschichte ein, die sich noch zu Zeiten meiner Nachtschicht-Ära, also vor mehr als zweiundzwanzig Jahren ereignete.

Am Abend musste ich in Solingen-Ohligs einen Mann von (vermutlich) seiner Wohnung abholen. Er wollte nach Richrath, einem etwa 7 Km entfernten  Stadtteil von Langenfeld. Sehr schnell gab es Stress, denn er bevorzugte schon seit vierzig Jahren einen anderen Weg nach Richrath. Bald erfuhr ich, dass ihn am Vorabend nach dreiundzwanzig Ehejahren die Frau verlassen hatte. Mir gelang es, das Gespräch so zu entwickeln, dass der anfängliche Stress aufgelöst werden konnte. In Richrath hoffte er, in einer Gaststätte seinen Schwiegervater zu treffen. Mich bat er, mit laufendem Taxameter vor der Gaststätte zu warten, denn möglicherweise würde die Fahrt noch weiter gehen. Nach einiger Zeit kam er heraus, er hatte zwar nicht seinen Schwiegervater getroffen, wohl aber eine Bekannte. Er lud mich noch zu einem Getränk in die Gaststätte ein, entschloss sich aber dann, die Fahrt zu bezahlen, denn es würde doch noch länger dauern. "Schade, ich wäre` noch gerne mit Ihnen weitergefahren", mit diesen Worten und mit Handschlag sowie einem guten Trinkgeld verabschiedete er mich. Ich finde es beeindruckend, welch eine atmosphärische Veränderung während dieser relativ kurzen Fahrt möglich war.


Eine „BESORGUNGSFAHRT“  

Der Taxifahrer wird zu einer Adresse gerufen, die uns schon seit vielen Jahren bekannt ist und sich unangenehm ins Gedächtnis geprägt hat. Denn der Anrufer wird nicht mitfahren sondern wir müssen in das Haus zu seiner Wohnung in der zweiten Etage wo die Wohnungstüre geöffnet ist. Schon im Hausflur schlägt uns ein Mief von altem Zigarettenqualm entgegen.  Dort wird der Gestank dann noch penetranter. Früher saß er zusammen mit seiner Frau am Tisch bei laufendem Fernsehgerät. Diese Frau teilte seine Leidenschaft. Heute leistet eine Nachbarin ihm dabei Gesellschaft. Wie gewohnt, bekommt der Taxifahrer dann eine kleine Liste von Dingen, die er besorgen soll. An einem Getränkemarkt oder einer Tankstelle sollen wir dann Hochprozentiges, Bier und Zigaretten einkaufen. Oft kommt es auch vor, dass wir von dem Kunden die Scheckkarte und auch einen Zettel mit der Geheimnummer bekommen, damit wir vor dem Einkauf noch Geld bei der Sparkasse abholen.

Seit Jahren staunen wir immer wieder über seine robuste Natur, seine Frau war nicht so robust. Er liefert den Beweis, dass Alkohol auch konserviert.



Eine Abwechslung im Taxialltag ist immer willkommen.
 
Zu einem eiligen Geschäftsbesuch landeten nachmittags zwei Fahrgäste mit einem Helikopter auf dem Werksgelände der Stadtwerke Solingen. Mit großer Eile brachte ich die beiden Herren zu mehreren Betrieben eines europaweit operierenden Unternehmens. Nach fünfundvierzig Minuten erhoben die beiden Besucher sich wieder in den Solinger Himmel.
Im Interesse der gewünschten Diskretion sind diese Informationen bewußt knapp gehalten.
























                      Zeitungsstudium bei laufender Uhr während der "Wartezeit"

Im Taxi nichts Neues ?

Schon längere Zeit habe ich keine neuen, interessanten Geschichten aus meinem Taxi hier mehr veröffentlicht. Das heißt nicht, daß nichts interessantes mehr passiert. Oft erlebe ich Geschichten, die es wert wären, berichtet zu werden. Allerdings wäre es oft für die Geschichte unverzichtbar, die Funktion oder die gesellschaftliche Stellung dieser Personen zu erwähnen. Der Leser dieser Seite weiß, daß ich in Solingen lebe und arbeite. Viele Personen, von denen ich gerne berichten möchte, sind auf ihre Weise einzigartig, daß sie leicht von Kennern dieser Stadt erkannt werden würden.

Auch möchte ich häufig von attraktiven Fahraufträgen berichten, die ich allerdings nicht meinen Kollegen erzählen möchte, um nicht deren Neid zu schüren. So muß ich auch über solche Fahrten schweigen.

Zu einem späteren Zeitpunkt könnte die eine oder andere Geschichte noch interessant genug sein, um noch berichtet zu werden aber von der folgenden Fahrt kann ich doch berichten.

Im Westen geht die Sonne unter

An einem Freitagnachmittag wurde ein Kollege per Funk zu einer Kneipe in der Innenstadt geschickt. Diese Kneipe zählt nicht gerade zu den Wunschadressen der Taxifahrer. Die Funkerin fügte dem Auftrag die Bemerkung an: "Da musst Du `mal gucken, was mit dem Fahrgast los ist." So eine Bemerkung verspricht nichts Gutes, denn da hatte die Wirtin schon eine warnende Anmerkung gemacht. Der Kollege, der den Auftrag bekam, sprühte am Funk wieder mal nicht vor Begeisterung. Ich stand ungefähr zweihundert Meter entfernt vor der Ampel und bot mich an: "Ich stehe hier an der Ampel, soll ich `mal gucken?" Man spürte die Erleichterung bei dem weiter entfernten Kollegen, der an einem Taxiplatz stand. Ich betrat das Lokal. Der Fahrgast war gerade noch auf der Toilette. Ich ging zum Auto, das mit zwei Rädern auf dem Gehweg stand, denn dort war ein absolutes Halteverbot. Neben der Beifahrertüre wartete ich dann auf den Fahrgast, dem ich dann bald von aussen die Türe öffnete. Mit dieser Vorgehensweise vermeide ich Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern und der Polizei, und ich schaffe eine entspanntere Atmosphäre zum Fahrgast. Dem Fahrgast folgte sofort die Wirtin und reichte eine leere Tragetasche, damit sich der Fahrgast darauf setzen könne. Murrend setzte der Mann sich auf die Tragetasche. Etwas schwer verständlich meinte er , dass er die Hose nicht nass hätte. Dann nannte er sein Fahrtziel Witzhelden. Außer dem Geruch von Bier störten keine anderen Gerüche. Ich freute mich über dieses ca. 10 Kilometer entfernte Ziel mit der Fahrt durchs Grüne. Den Fahrgast konnte ich problemlos bei Laune halten. Alles hatte reibungslos geklappt, mit solch einer Tour rechnet man in bei diesem Lokal eher nicht. Kurz vor dem Ziel im Höhendorf Witzhelden sah ich dann noch an diesem frühen Herbstabend einen wunderschönen, glühendroten Sonnenuntergang im Westen über der Rheinebene, deshalb machte ich beim Rückweg noch einen kleinen Umweg. Gerne hätte ich da die Kamera dabeigehabt. 

nicht ganz so eindrucksvoll wie auf diesem Foto erlebte ich den Sonnenuntergang nach der eben beschriebenen Fahrt 







Blick vom Witzheldener Sender in Richtung Leverkusen (Bayerkreuz)

Goldene Nase

Erneut fallen wieder heftige Schneefälle, Schneefälle die den Autofahrern aber auch vielen Fußgängern das Leben schwer machen. Häufig glauben Fahrgäste, daß wir Taxifahrer uns bei der so starken Nachfrage eine "Goldene Nase" verdienen können. Das gibt mir die Gelegenheit zu erklären, daß die Dinge doch etwas anders liegen.

Jeder einzelne Auftrag erfordert in der Regel mehr Zeit. Das fängt an bei der länger dauernden Anfahrt, geht weiter bei dem größeren Zeitaufwand, den ein guter Service mit sich bringt, wenn man den Fahrgast sicher an der Haustüre abholt und ins Auto bringt. Große Schneemengen an den Straßenrändern machen die Anfahrt und das Zusteigen sehr beschwerlich. Der größte Teil der Fahrgäste, die wir befördern sind alte und hilfsbedürftige Menschen, denen bei diesen schwierigen Verhältnissen geholfen werden muß. Eine verantwortungsbewußte Personenbeförderung kostet teilweise erheblich mehr Zeit. Die Schneehaufen an den Strassenrändern, die bald zu Eisbergen gefrieren, führen häufig zu Bagatellschäden. Bei Bagatellschäden bleibt es allerdings nicht wenn es zu Unfällen kommt. Zu den Reparaturkosten kommen dann noch die Betriebsausfälle. Diese Kosten minimieren dann die "Goldene Nase" des Taxiunternehmers.

Die starke Nachfrage nach Taxen füht dann auch zu einer erheblichen Mehrbelastung des Fahrpersonals und nicht zuletzt auch des Funkpersonals. Ein Plus sehe ich eher bei den  Unternehmen, die ausserhalb dieser Winterzeit noch viele leere Seiten in ihrem Auftragsbuch haben. Aber die sind ohnehin sehr weit von einer "Goldenen Nase" entfernt.

Taxifahrer auf  Platz Eins

In der ersten von vier Taxen wartet am Klinikum ein Taxifahrer auf Fahraufträge. Plötzlich nähert sich aus der Entfernung von fünfzig Metern im Rückspiegel erkennbar ein älteres Paar. Während der ältere Herr ohne Handgepäck zu dem Auto geht, trägt die Frau die Reisetasche. Ein routinierter Taxifahrer erfaßt die Situation schnell und erkennt, daß der Mann wohl soeben nach einem Klinikaufenthalt entlassen wurde und noch nicht belastet werden soll. Plötzlich, als das Paar die Fahrzeugtüren ergreift, springt der Fahrer aus dem Auto und öffnet die beiden rechten Türen. Aber jetzt beweist sich doch schnell die Fitness des jüngeren Taxifahrers - noch ehe die Fahrgäste die Plätze eingenommen und ihre Türen geschlossen haben, eilt der Fahrer schnellen Schrittes zur Fahrertüre und sitzt noch vor den Fahrgästen auf seinem Platz. Dieser Schnelligkeit sind die beiden Fahrgäste deutlich sichtbar unterlegen. Nun startet der Fahrer sein Fahrzeug, doch was passiert da ?!
Nach fünfzig Metern stoppt der Fahrer sein Fahrzeug auf der Straße. Er steigt aus und schließt die hintere rechte Türe, die die Frau nicht richtig geschlossen hat. Somit hat der schnelle Taxifahrer leider sein ersten Platz wieder abgeben müssen.

Meine Arbeit erlaubt mir nicht, meine Panasonic mitzuführen, aber für den kleinen "Urlaub zwischendurch" ist mein iPhone auch ganz nützlich. Diesen schönen Anblick geniesse ich häufig nur im Vorbeifahren.

zum Vergrößern auf das Bild klicken




auch dieses Objekt vor dem Eingangsportal des Klinikums Solingen fotografierte ich morgens mit meinem iPhone, nachdem mein Fahrgast am Klinikum ausgestiegen war.

Kurskorrektur

Ich wurde zu einer Adresse in einer Genossenschaftssiedlung geschickt, wo ich einen mir noch unbekannten Herrn abholen sollte. Auf dem Klingelschildchen stand unter dem Namen als Zusatz: „Pastor“. Hier schien der Wohnungsinhaber wohl ein Pastor zu sein. Bald kamen zwei alte Herren aus dem Haus und stiegen in meinen Wagen ein. Auf meine Frage an den vermeintlichen Wohnungsinhaber, ob er Pastor sei, erklärten beide Herren sich als Pastore. Sehr schnell klagte einer der Herren über das „schlechte Wetter“. 
Ich aber verwies auf den blauen Flecken an dem ansonsten bedeckten Himmel und sagte: Wir sollten uns doch lieber nicht von dem grauen Himmel den Tag vermiesen lassen sondern uns an den blauen Flecken am Himmel erfreuen. Das ist meine Devise!“
Mit einem freundlichen Lächeln quittierten sie diese Kurskorrektur. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich diese Devise merken wollten.                             3.7.2011


nach einem Starkregenschauer am 27.11. 2009 um 16:22
von der Brühler Strasse in Richtung "Südpark" 
früher Hauptbahnhof Solingen

vor dem nächsten Fahrauftrag mit iPhone fotografiert

Wiedersehensfreude

Wenn ich von meiner Arbeit erzähle und ihnen berichten möchte welche Erfahrungen mich stark beeindrucken, dann müsste ich auch von dem nachfolgenden Erlebnis berichten. Allerdings habe ich da ein Problem, weil das leicht als Eigenlob ausgelegt werden könnte.

Ich wurde vor wenigen Tagen zu einer Adresse geschickt, wo ich eine mir bekannte alte Dame von geschätzten 80 Jahren abholen sollte, aber hier möchte ich lieber „abholen durfte“ formulieren, denn ich freute mich, diese alte Dame wiederzusehen, weil ich sie schon bei der ersten, von geschätzten fünf Fahrten als sehr liebenswürdig kennen gelernt hatte. Sie selbst brachte damals, vor einigen Monaten schon ihren Wunsch zum Ausdruck, dass ich sie hoffentlich nachher wieder zum Klinikum fahren würde, wo am selben Tag ihr Mann stationär aufgenommen werden musste. In der Folgezeit fuhr ich sie noch einige Male. 

Als ich jetzt vor ihrem Haus vorfuhr, stand sie bereits am Strassenrand. Sie wollte die Beifahrertüre öffnen, ich kam aber in gewohnter Weise von hinten, um ihr beim Einsteigen zu helfen. Da erkannte sie mich und freute sich so sehr, dass sie mich sofort herzlich umarmte. Natürlich war ich von soviel Wiedersehensfreude und Herzlichkeit sehr beeindruckt. Während der kurzen Fahrt erfuhr ich vom Tod ihres Mannes, der damals im Klinikum verstarb, von den Umständen seines Todes und wie diese Witwe jetzt versuchte damit fertig zu werden. Nach wenigen Minuten waren wir am Ziel, wo sie von ihrem erwachsenen Neffen erwartet wurde. Wir sprachen neben der Taxe stehend noch ein paar Worte miteinander und auch jetzt verabschiedete sich diese alte Dame mit einer sehr herzlichen Umarmung von mir. 

Dass ich solche Erfahrungen machen darf, das macht mich dann glücklich und auch stolz, denn dann muss ich meine Arbeit doch gut gemacht haben.

                                                                                         28.Juni 2011













kurz vor Feierabend am Taxi-Halteplatz
"Bhf-Solingen-Mitte"



SEKUNDENSCHLAF

Häufig wird von Unfällen mit Reisebussen, Schulbussen und dergleichen berichtet. Sehr schnell schiesst sich nach meiner Wahrnehmung die Presse auf den Fahrer ein. Da werden sehr schnell Vermutungen angestellt über nicht eingehaltene Ruhezeiten oder zu schnelles Fahren. Sehr schnell machen sich viele Pressevertreter zum Anwalt der Unfallopfer und zählen dabei den Fahrer nicht zu den Opfern. Aber das ist meine Wahrnehmung, vielleicht achten sie mal bei nächster Gelegenheit darauf, ob sie meine Sichtweise teilen können.  

Welche eigenen Erfahrungen ich in dieser Richtung gemacht habe, davon möchte ich Ihnen hier berichten.  

An einem Freitagmittag hatte ich einen technisch bedingten Aufenthalt an unserem Firmensitz in Solingen. Um 12 Uhr 30 fuhr ich mit meiner Taxe, einer Mercedes-Limousine, nach Düsseldorf, wo ich in einer Schule für Sehbehinderte vier Schülerinnen und Schüler abholen sollte, die ich dann zu ihren jeweiligen Wohnungen in Hilden, Solingen und Remscheid bringen sollte. Während der Fahrt nach Düsseldorf hatte ich noch meine Butterbrote verzehrt.  

Diese Tour hatte ich schon oft gefahren. So verlief diese Fahrt zunächst nach dem üblichen Ritual. Diese Fahrgäste waren so zwischen zwölf und siebzehn Jahre alt. Jeder der Schüler gab sich wieder der eigenen Müdigkeit hin, geredet wurde nur wenig. Viele versuchten zu schlafen. Im nahen Hilden verließ der erste Schüler das Fahrzeug. Der nun hinten freigewordene Platz wurde sofort von den beiden Schülerinnen genutzt, um die bequeme Sitzposition weiter auszubauen. Gespräche entwickelten sich zwischen den Schülern und mir selten. An Gesprächen mit dem Fahrer schienen diese Schüler, wie viele andere Schüler auch, kein Interesse zu haben. Wer nicht schlief, hatte seinen Walkman in den Ohren. Egal welche Fahrgäste ich im Auto hatte, das Radio habe ich dabei nie angeschaltet gehabt. Ich bemerkte während dieser routinemäßig ablaufenden Fahrt, dass ich rasch zunehmend von einer starken Müdigkeit ergriffen wurde. Ich hoffte, dass mit jeder Fahrtunterbrechung, bei der ein Schüler das Auto verlassen würde und ich den Kofferraum öffnen würde, meine Müdigkeit verschwinden würde. Aber die Müdigkeit stieg nicht aus, sie wurde nur noch stärker. „Wenn ich gleich um etwa 14 Uhr 30 in Remscheid bin und dann der letzte Schüler ausgestiegen ist, dann werde ich erst einmal aussteigen und ein paar gymnastische Übungen machen und dabei ordentlich Sauerstoff aufnehmen“, nahm ich mir vor.  

Die Strecke wurde mir immer länger. Am Ortsrand von Remscheid fuhr ich über eine leicht ansteigende Bundesstrasse mit ein paar Kurven. Hinter einer Kurve gab es eine 30 km/h-Geschwindigkeitsbeschränkung wegen einer schon lange bestehenden Baustelle, zusätzlich noch eine Baustellenampel. Wie gewohnt kamen wir dort zum Stehen. Dann schaltete die Ampel auf Grün und dann erschrak ich fürchterlich, weil ich die Taxe vor die Hauswand einer Fabrik gefahren hatte.  

Daß da einiges kaputtgegangen war, dass war sowieso klar. Der etwa 16jährige Schüler neben mir schien ausser einem grossen Schrecken keinen weiteren Schaden erlitten zu haben. Zwei Kilometer vor dem Ziel hatte mich die Müdigkeit überwältigt und es war zu einem „Sekundenschlaf“ gekommen. Zwischen der Baustellenampel und dem Fabrikgebäude, dass direkt an der Aussenseite dieser scharfen Linkskurve stand, lagen kaum 100m. Ich wusste wohl noch, dass ich bei Grün gestartet war, dann erlebte ich nur noch den ungebremsten Aufprall.   Sofort war natürlich eine ganze Anzahl von Personen am Unfallort, von denen einige fragten, wie das denn passieren konnte. Ich beschränkte mich auf das nicht Übersehbare. Auskunft würde ich nur der Polizei geben. Ich selbst hatte die Polizei mit meinem Handy gerufen. Die Polizeibeamten fragten natürlich, wie das denn passiert sei. Ehrlich und ohne Umschweife erklärte ich, dass ich total übermüdet sei und kurz eingeschlafen war. Wenn ich mich heute recht erinnere, dann hatte ich den Beamten auf deren Nachfrage hin berichtet, dass ich am Abend zuvor um elf Uhr ins Bett gegangen war und um 4 Uhr 45 nach einem guten Schlaf aufgestanden war. Alkohol hatte ich am Abend nicht getrunken. Völlig sachlich nahmen die Beamten das Unfallprotokoll auf. Überrascht war ich, dass die Beamten dem Auto noch zutrauten, wenn ich das zerbeulte Blech vom Vorderrad wegziehen würde, dass ich dann meinen Schüler noch nach Hause fahren könne. Auf meine Nachfrage hin hatte der Schüler nicht beobachtet, dass ich eingeschlafen war. Normalerweise geht der Blick des vorne sitzenden Schülers eher nach vorne oder zu rechten Seite, weniger zum Fahrer hin.  

An dem Freitagnachmittag fühlte ich mich nicht mehr in der Lage, noch Taxi zu fahren, abgesehen davon, dass ich normalerweise jetzt meine Mittagspause gemacht hätte. Als ich die an der Front stark demolierte Mercedes-Limousine zur Firma zurückbrachte, fühlte ich mich nicht von Vorwürfen überhäuft. Der Senior-Chef, der die oberste Instanz in unserem Unternehmen darstellte, war nicht anwesend. Ein schreckliches Wochenende lag jetzt vor mir! Ich stellte mir vor, wie der Staatsanwalt in einem Gerichtsverfahren mich auseinandernehmen würde. Aber was hätte ich denn machen sollen! Ich konnte meine Schülerfahrt doch nicht unterwegs unterbrechen oder abbrechen. Ich musste doch den Auftrag erst einmal zu Ende bringen! Auf die Schüler warten doch die Eltern. Dabei hatte ich doch noch grosses Glück gehabt, dass das Auto geradeaus vor diese massive Hauswand fuhr und nicht in den Gegenverkehr hinein oder auf der linken Seite eine Böschung hinunter. Nur gut, dass dem Jungen nichts passiert ist und auch niemand anderes körperlich geschädigt wurde.  

War der Samstag der „Tag des Staatsanwaltes“, so wurde der Sonntag zum „Tag der Gutachter“. Entlastende Momente wurden mir zunehmend bewusst. Der Zeitraum, in dem mich diese Müdigkeit überwältigte ist ein Zeitraum, zu dem bei vielen Menschen die Leistungskurve absinkt. Auf jeden Fall aber würde ich bald einen Arzt aufsuchen und mich untersuchen lassen, ob eine medizinische Ursache für diese Müdigkeit vorliegt. Nun lag aber noch der „Tag des Chefs“ vor mir. Erst am Nachmittag wurde ich zum Chef zitiert.  

Der Chef zeigte sehr grosses Verständnis. Er kannte diese Müdigkeit und an eine medizinische Ursache glaubte er absolut nicht. Ein paar Tage später sollte ich einen mir bis dahin unbekannten Polizeibeamten anrufen. Dieser Beamte legte mir dringend nahe, einen Rechtsanwalt zu nehmen, denn wenn jemand wie ich, zu Protokoll gibt, dass er „total übermüdet“ ist, dann ist das gleichbedeutend, wie wenn ich unter Alkohol gefahren sei. Und er wollte nicht, dass jemand wie ich, der sich ehrlich und arglos zu dieser Müdigkeit bekannt hatte, stärker bestraft würde, als die Vielen, die er erlebte, die lügen bis sich die Balken biegen und dann ohne Strafe davonkommen.  

Die ärztliche Untersuchung hatte einen negativen Befund ergeben. Ehrlich schilderte ich auch dem Rechtsanwalt alles, was er zu meiner Entlastung vortragen konnte. Seine Arbeit trug auch Früchte. Ich habe jetzt nicht in alten Dokumenten nachgesucht, um mich an das Bußgeld zu erinnern, das die Staatsanwaltschaft verhängt hatte. Aber ich kann sagen, dass ich mich in dieser Angelegenheit von allen beteiligten Stellen fair behandelt gefühlt hatte.  

Ob über diesen Unfall etwas in der Remscheider Tagespresse gestanden hat, das weiß ich nicht. Ich glaube aber, dass die Ursachen für viele Unfälle tatsächlich ganz anders aussehen, als es die Presse vielfach, und oft spekulativ, darstellt. Wenn nach einem spektakulären Busunfall der Busunternehmer beteuert, die Fahrer würden jährlich gesundheitlich geprüft, dann weiß ich, was ich von solchen Untersuchungen zu halten habe. Dann darf man das dem Unternehmer das vorrangige Interesse unterstellen, dass die Wahrnehmung seiner Aufsichtspflicht nicht angezweifelt wird und der Ruf seines Unternehmens nicht leidet.    

Wer fragt denn danach, wie bei dem Fahrer die Qualität des Schlafs der vergangenen Nacht war?! Welche Gedanken oder Beschwerden haben denn den Schlaf des Fahrers beeinträchtigt?! Wenn eine Reisegesellschaft einen Bus gechartert hat, dann beginnt diese Reise oft schon in den frühen Morgenstunden, weil die Reisegesellschaft ja viel auf dem Programm hat und früh am Ziel sein will. Die Reisenden plagt in der Nacht vielleicht das Reisefieber und dem Fahrer raubt der Stress den Schlaf. Er muss ja auch viel früher an seinem Arbeitsplatz sein als die Reisenden ihr Haus verlassen. Wenn die erste Aufregung sich bei den Fahrgästen gelegt hat, dann holen diese während der Fahrt ihren Schlaf nach. Der Fahrer muss aber immer aufmerksam und konzentriert bleiben.  

Dieser Beitrag hat sein Ziel erreicht, wenn einige der Leser dieses Artikels bei den Berichten über Reisebus- Schulbus- und Taxi-Unfällen ins Kalkül ziehen, dass die Wahrheit vielleicht doch etwas anders aussieht, als die öffentliche Berichterstattung.