Nach mehr als sechsundzwanzig Jahren ging ich mit Wirkung zum 1. November 2011 sieben Monate früher in den vorzeitigen Ruhestand. Zählte ich in den vergangenen Jahren noch zu der Minderheit der Altersgruppe, die mit mehr als 62 Jahren noch Arbeit hatte, so wechselte ich am 1. November zu der Mehrheit der Rentner. Mehr als die Hälfte meines Arbeitslebens war ich als Taxifahrer tätig, und ich war gerne Taxifahrer.
Die letzten Wochen hatte ich schon genutzt, mich von zahlreichen Kunden zu verabschieden. Es war mir natürlich nicht unangenehm, das Bedauern über mein Ausscheiden zu erleben, aber man freute sich aber auch mit mir auf meinen Ruhestand. Ich schied nicht ohne Wehmut aus dieser Tätigkeit aus. Dafür hat mir die Arbeit mit vielen Kunden zu viel Freude gemacht. Um mich abzunabeln, muss ich mich jetzt auch mehr an die Schattenseiten dieser Tätigkeit erinnern.
Ich werde es genießen, in Zukunft Herr meiner eigenen Zeit zu sein. Sicher fehlen werden mir die vielen Kontakte zu den vielen unterschiedlichen Menschen. Oft habe ich darüber nachgedacht, wie ich diese fehlenden Kontakte kompensieren kann. Diese Antwort ist auch noch offen. In derZukunft möchte ich mehr Zeit für die Fotografie haben, möchte die unterschiedlichen Lichtstimmungen der verschiedenen Tageszeiten und Wetterverhältnisse nutzen können ohne diese nur durch die Frontscheibe der Taxe in meinem Kopf abspeichern zu können.
So wie ich in der Vergangenheit intelligenteGesprächsinhalte genossen habe, so
möchte ich jetzt auch an Veranstaltungenteilnehmen, die zu
arbeitnehmerfeindlichen Terminen stattfinden. Ausschusssitzungen der
Kommunalpolitik oderVeranstaltungen der Volkshochschule aber auch
Gerichtsverhandlungen bieten interessante Erlebnis- und Erfahrungsbereiche.
Vermutlich ergeben sich daraus auch intelligente Kontakte. Was ich zurzeit nicht
möchte, das ist, mich mit Versprechen zeitlich zu verpflichten.
Ich
zählte nicht zu den Arbeitnehmern, die jahrelang sehnsüchtig auf die Rente
warten. Jedoch mit zunehmendem Alter setzte sich auch bei mir die Erkenntnis
durch, dass Zeit immer kostbarer wird. Der frühe Tod von Kollegen und Fahrgästen
bleibt nicht ohne Spuren und bringt mich zu dem Entschluss, die letzten sieben
Monate bis zum Erreichen der „Regelarbeitszeit“ nicht mehr abzuwarten und lieber
den geringen Rentenabschlag in Kauf zu nehmen und dafür den dicken Schlussstrich
zu ziehen.