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Ein Urlaubsaufenthalt in Kalterherberg bietet für uns sehr unterschiedliche Reize. Dort auf der Höhe von 550 Meter im oberen Teil des Ortes habe ich das Gefühl, der Wetterküche sehr nahe zu sein. Man glaubt, hinter dem Hang läge die „Wetterküche“, wo in großen Kochtöpfen die Wolken produziert würden.

Aus den Niederungen Belgiens steigt die feuchte Meeresluft auf, die dann auf den Höhen der Ardennen und dem Hochmoorgebiet des Hohen Venn abgekühlt und oft auch bis zum Taupunkt gesättigt wird. Dicke Wolkenpakete drängen förmlich aus West und Südwest über den Höhenrücken hinauf, der in Botrange am Wallonischen Venn eine Höhe von fast 700 Meter erreicht. Bei Monschau-Mützenich liegt die höchste Höhe auf etwa 660 Meter.

So staunten wir auch an unserem Ankunftstag, dem 6. Juni, über die sehr eindrucksvollen Cumoluswolken, die sich hoch in den blauen Himmel auftürmten. Ein Eindruck, den wir in Solingen so eigentlich nur sehr selten wahrnehmen können. Dann fehlt uns hier in der Stadt auch meist die freie Sicht, immer wieder wird die Sicht durch Gebäude behindert.

So wie die Wolken aussahen, könnte es am Abend ein Gewitter geben, so war es ja auch schon im Wetterbericht in Aussicht gestellt. Am Abend zog sich der Himmel auch folgerichtig sehr früh zu. Vorzeitig wurde es dunkel. Etwa ab halb zehn Uhr begann es bald zu blitzen und zu donnern, begleitet von starkem Regen. Unser Wohnzimmerfenster ist mit großen, dicken Isolierglasfenstern ausgestattet, die in der windigen und kalten Region schon von besonderer Qualität sein müssen. Diese Fenster sind nach Süden und Westen ausgerichtet. So hatten wir einen wunderbaren Blick über das aktuelle Wettergeschehen. Im Blitzlicht des Gewitters beobachteten wir, wie die Rinder auf der nahen Wiese mit hoch aufgerichtetem Schwanz  aufgeregt im Galopp umher irrten. Der starke Regen prasselte an die Fensterscheiben und immer wieder beleuchteten Blitze die Umgebung. Sehr schnell folgte der Donner.

Während ich das Geschehen draußen durch die Fenster beobachtete, hatte ich mein Notebook vor mir auf dem Tisch stehen und verfolgte, wie viele andere am Wetter interessierte Eifelaner auch, die das Gewitter mit sehr unterschiedlichen Empfindungen erlebten und in der „Shoutbox“, einer Art Chatbox von „Eifelwetter“  http://www.meteo-eifel.de/ schildern. Dort finden sich Menschen, für die ein Gewitter ein faszinierendes Naturereignis ist, andere fürchten um Haus und Hof oder dass sie zu Einsätzen bei der Freiwilligen Feuerwehr gerufen werde. Da gibt es auch Wetterfreunde, die an ihren Rechnern sitzen und die Aufzeichnungen ihrer Wetterprogramme, die Böenstärken und fallenden Regenmengen mit Argusaugen beobachten und die Zahlen dann für die Besucher von „Eifelwetter“ sichtbar, zeitnah mitteilen.

Dann findet man dort auch Spezialisten, die gerne den Gewittern hinterher jagen, um von den Blitzen und den Gewitterzellen hervorragende Bilder zu machen. Die Kenntnisse dieser Spezialisten sind dann oft so gut, dass sie besser als die Meteorologen wissen, ob und wo die vorgewarnten Gewitter herunterkommen. Da schrieb auch ein junger Mann, dass er die meiste Zeit des Nachmittags auf einem Feld gesessen hatte, um tolle Wolken Fotos aufzunehmen.

Während dieses Gewitters beobachteten mehr als siebzig „User“ aus dem Euregio-Gebiet das Geschehen in der „Shoutbox“ von „Eifelwetter“. In dieser freien Landschaft bobachten viel mehr Menschen mit größerem Interesse und sehr guten Kenntnissen als hier in der Stadt das Wettergeschehen. So sahen viele schon, dass das Gewitter sich voraussichtlich über Monschau-Kalterherberg entladen wird. An unserem zweiten Balkon, der nach Osten ausgerichtet ist, floß ein Vorhang aus Wasser vom Giebel herab. Selbst von den in Punkto Wetter verwöhnten Gewitterspezialisten wurde dieses Gewitter als ein herausragendes Ereignis erlebt – und wir durften es miterleben!

Als nach Zehn Uhr der Regen etwas nachliess, wollte ich doch wissen, wie viel Regen in meinen Regenmesser gefallen waren, den ich mitgebracht hatte und im Garten aufgestellt hatte. Mit dem Regenschirm ging ich in den Garten und las vor der schwachen Beleuchtung der Zimmer die Skala ab. Ich staunte über 26 Liter, die in etwa dreißig Minuten gefallen fahren. Im Regen ging ich eilig zum Haus zurück, übersah allerdings bei der spärlichen Beleuchtung im Garten die unterste von drei Stufen und segelte auf den plattierten Hof und prallte mit den rechten Rippen gegen eine dort an der Hauswand stehende Sitzbank. Dabei habe ich mir vermutlich im oberen, rechten Bereich des Brustkorbes eine Rippe gebrochen, aber da kann der Arzt auch kaum was gegen machen. Vier Wochen nach dem Vor(Fall) sind hoffentlich bald auch die aufgescheuerten Knöchel verheilt.

Nachdem die Knöchel bald mit Wundpflaster verarztet waren, konnte ich wieder an meinem Notebook sitzen und von meinem Missgeschick berichten. Ich schrieb: "Leidenschaft ist das, was Leiden schafft“. René, der Administrator vom „Eifelwetter-Messnetz“, dem ich mit meiner eigenen Wetterstation auch angeschlossen bin, kommentierte das mit einem „Autsch“.

Ich meldete die 26 Liter, die ich im Oberdorf von Kalterherberg abgelesen hatte. Aus Höfen, von der anderen Talseite meldete jemand: „das kann stimmen, ich habe 27 Liter“.

So bietet der an sich ruhige Ort Monschau-Kalterherberg ungeahnte Abenteuer.

Link:"Eifelwetter"

Link:"Eifelwetter-Messnetz"

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